Als Kind durfte ich viel. Das Leben war ziemlich einfach. Meine einzige Verpflichtung war, mich gut zu benehmen und mein Zimmer aufzuräumen - aber erstens war ich ein nettes Kind und außerdem hatte ich damals schon einen Ordnungsfimmel.
Je älter ich wurde, desto mehr fühlte ich mich anderen Leuten gegenüber verpflichtet. Ich wollte sie nicht enttäuschen.
Meine Lehrer wollten, dass ich mehr lernte. Meine Schwimmtrainerin dachte, dass ich zu langsam schwamm und erwartete, dass ich öfter zum Training käme. Meine Eltern erwarteten bessere Noten. Mein Freund wollte, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringe. Meine Großeltern waren traurig, dass ich nicht öfter auf Besuch kam.
Der Unterschied zwischen den Erwartungen, die man an mich als Kind gehabt hatte und die man jetzt, als ich älter wurde, an mich stellte, ist, dass wenige Leute ihre Erwartungen direkt aussprechen. Als Erwachsener ist man oft gezwungen, Dinge zu tun, obwohl man sie nicht tun will. Es ist so als schulde man es Leuten, etwas für sie zu tun. Ich habe oft das Gefühl, dass ich erraten sollte, was man von mir will.
Ich habe gelernt, meiner Familie, meinen Freunden, Bekannten, Kollegen und Studenten so genau wie möglich zu sagen, was ich von ihnen erwarte. Ich denke, Leute hören das eigentlich ganz gern. Dann können sie sich danach richten und müssen sich nicht wundern, wenn man ihnen gegenüber plötzlich ablehnend ist.
Leider haben die Menschen nicht die Fähigkeit, anderer Leute Gedanken und Bedürfnisse zu erraten. Deshalb ist es für mich sehr wichtig, zu wissen, was Leute von mir wollen. Dann muss ich mir keine Sorgen machen, ob ich mich richtig oder falsch verhalte. Ich ziehe solche
Vereinbarungen Verpflichtungen vor, denn Verpflichtungen sind oft nur eingebildete, lästige Pflichten, während Vereinbarungen wirklich zu einem verbesserten Verhältnis zwischen Menschen führen.
Was meinen Sie?
Thursday, March 29, 2007
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